Immer mehr Gemeinden rund um Karlsruhe wollen Härtegrad und Kalkgehalt des Trinkwassers reduzieren

Mit freundlicher Genehmigung der BNN und des Autors. Herzlichen Dank!

Trinkwasserenthärtung ist ein Luxus, den sich immer mehr Gemeinden im Landkreis Karlsruhe gönnen. Neben dem Komfort sprechen auch ökologische Gründe für weiches Wasser. Die Bürger sind in der Mehrzahl bereit, dafür auch etwas mehr zu zahlen.

Tony Löffler klingt zufrieden, wenn er auf das Thema Trinkwasser angesprochen wird. Knapp zweieinhalb Jahre ist es nun her, dass in Ubstadt, Weiher, Stettfeld, Zeutern und Forst, die allesamt vom Zweckverband „Kraichbachgruppe“ versorgt werden, erstmals weiches Wasser aus den Hähnen in den Haushalten lief.

„Wir würden es genauso wieder machen“, sagt der Bürgermeister von Ubstadt-Weiher und meint damit den Bau der Wasserenthärtungsanlage, die im Frühjahr 2018 den Betrieb aufnahm. „Wir hatten seitdem keine einzige Beschwerde und unser Wassermeister ist begeistert“, berichtet Löffler. Der Zeitaufwand für das Durchspülen der Rohre sei zum Beispiel um die Hälfte gesunken.

Statt zuvor 24 Grad deutscher Härte hat das Wasser nun nur noch deren acht. Gemessen wird in dieser Einheit die im Wasser gelösten Erdalkalimetalle, allen voran das gemeinhin als Kalk bekannte Calziumcarbonat. Dessen Reduzierung durch ein Filtrationsverfahren, das ohne Chemie auskommt, macht sich bemerkbar. Duschkabinen müssen deutlich seltener entkalkt werden, es wird deutlich weniger Waschmittel benötigt.

“Oberflächlich klingt das zunächst nach einem Komfortgewinn zu deutlich höheren Kosten”, sagt Löffler. Denn der Wasserpreis ist in Ubstadt-Weiher und Forst rund 40 Cent pro 1.000 Liter gestiegen. Es sei aber weit mehr als das, findet der Bürgermeister. Zum einen stehe dem höheren Preis eine Kostenersparnis gegenüber, etwa dadurch, dass private Enthärtungsanlagen nicht mehr betrieben werden müssen oder eben dem gesunkenen Reinigungsbedarf von Elektrogeräten.

Zum anderen gebe es dadurch aber auch noch einen ökologischen Aspekt. “Das Umweltargument hat viele überzeugt”, erläutert Bürgermeister Löffler. Im Jahr 2007 war der Bau einer Enthärtungsanlage noch am Gemeinderat gescheitert, der seinerzeit keine Vorteile zum Status quo mit dem harten Wasser gesehen hatte. Im nördlichen Landkreis Karlsruhe ist weiches Wasser noch die Seltenheit. Ubstadt-Weiher und Forst sind neben Bruchsal (mit Ausnahme des Stadtteils Büchenau, der von der Nachbarkommune Stutensee versorgt wird) die Vorreiter in diesem Bereich.

Nachgezogen hat vor Kurzem die Gemeinde Karlsdorf- Neuthard, wo im September mit dem Bau einer entsprechenden Anlage begonnen wurde, die im Herbst 2021 in

Betrieb gehen soll. Im Gemeinderat fiel die Entscheidung für das “wichtige Zukunftsprojekt”, wie es auf der Homepage der Gemeinde heißt, einstimmig aus. “Der Wunsch nach dem Bau kam aus der Bevölkerung”, heißt es. Es zeigt, dass sich die Menschen von den Vorteilen überzeugen lassen und auch bereit sind, einen etwas höheren Preis zu bezahlen.

Richard Kremer wäre auch schon gerne so weit wie die Einwohner von Forst, und Untergrombach oder Neuthard. Kremer ist Vorstand und Sprecher der 2019 gegründeten Bürgerinitiative “Weiches Wasser Lußhardt”, die sich für den Bau einer Enthärtungsanlage für Waghäusel und Hambrücken einsetzt. “Die Technologie ist ausgereift und bezahlbar”, findet der Wiesentaler. Die Initiative wolle Bewusstsein für die Sache schaffen und Überzeugungsarbeit leisten – und baut dabei auch auf die guten Erfahrungen anderer Gemeinden wie Ubstadt-Weiher. Erste Erfolge sind sichtbar, die Stadt Waghäusel hat bereits ein Gutachten in Auftrag gegeben, um die Machbarkeit einer Anlage zu prüfen.

Kremer ist klar, dass es in solchen Dingen dicke Bretter zu bohren gilt. “Wir sind noch in der ersten Phase, das geht nicht von heute auf morgen”, sagt er. Der Vorsitzende der Bürgerinitiative “Weiches Wasser Lußhardt” ist aber überzeugt, dass die Befürworter gute Argumente auf ihrer Seite haben. Er könne dann nur wiederholen, was eine Frau bei einer Infoveranstaltung sagte, die viele Jahre in den Niederlanden in den Genuss von weichem Wasser kam: “Wer einmal weiches Wasser hatte, in kein anderes mehr.”


Quelle: BNN (Bruchsaler Rundschau) vom 9.11.2020, Autor: Marcel Winter

 

 

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