BNN: Kampf gegen Kalk führt zu hohen Kosten

Mit freundlicher Genehmigung der BNN und des Autors. Herzlichen Dank!

Nur wenige Gemeinden in der Hardt gestern leiste sich bislang Anlagen für weiches Trinkwasser

Wenn Rainer Haeming seinen Wasserhahn öffnet, kann sich der Weingartener noch heute freuen. Es ist zwar mittlerweile 18 Jahre eher, dass der Kalkgehalt mit der Einweihung der Wasseraufbereitungsanlage deutlich reduziert wurde, für Haeming bedeutet diese Maßnahme aber noch immer ein Stück mehr Lebensqualität.

Vor 2002 war das Wasser in Weingarten mit rund 24 Grad deutscher Härte extrem kalkhaltig. “In unserem Haus hatten wir eine Enthärtungsanlage mit Salzbefüllung”, erklärt Haeming, “die hat nur Ärger gemacht.” Als die Carix-Anlage schließlich kurz nach der Jahrtausendwende nach mehrjähriger Diskussion kam, war das weichere Wasser ein schöner Nebeneffekt. Denn in erster Linie ging es darum, den extrem hohen Nitratgehalt im Trinkwasser zu senken. Haeming war das jedenfalls recht. Er konnte die eigene Anlage entsorgen. “Der ganze Aufwand und Ärger fällt weg”, sagt er. “Wir in Weingarten sind mit unserem Wasser sehr zufrieden.”

Weicheres Wasser ist ein Wunsch vieler Bürger, den aber nur wenige Gemeinden erfüllen. Rund um Weingarten müssen die Menschen mit einem deutlich höheren Kalkgehalt leben – damit auch mit einem erhöhten Aufwand, was die Reinigung von Duschkabinen, Armaturen und vor allem Kaffeemaschinen betrifft.

In Stutensee soll sich das schon bald ändern. Im März beschloss der Zweckverband Mittelhardt, der neben Stutensee den Bruchsaler Stadtteil Büchenau mit Wasser versorgt, den Bau einer Teilenthärtungsanlage. Von den bislang 19 und 21 Grad in den beiden Wasserwerken in Blankenloch und Friedrichstal soll die Härte auf einheitlich 8 Grad sinken. “Das war ein Wunsch aus der Bürgerschaft heraus”, sagt Johannes Klawe, der Leiter des Stadtbauamtes und technischer Leiter der Wasserwerke ist. 2014 gab es die ersten Überlegungen. Läuft alles nach Plan, könnte Ende 2021 Baubeginn sein.

Günstig ist das Großprojekt nicht. Für die Anlage, die mittels der Filtrationstechnik Umkehrosmose die Calcium-Ionen aus dem Wasser holt, sind 5,6 Millionen Euro veranschlagt. 2,2 Millionen kommen für ohnehin notwendige Sanierungen an den Wasserwerken dazu. Da die Kosten umlagefähig sind, bedeutet das für die Bürger höhere Wasserpreise. Mit 50 Cent mehr pro 1.000 Liter Wasser rechnet die Stadtkämmerin.

Der Kostenfaktor schreckt viele Kommunen ab, eine solche Investitionen zu tätigen, obwohl sie auch ihnen viel Arbeit, etwa bei der Unterhaltung der Leitungen, erspart, wie Klawe aus Stutensee anmerkt. Die CDU in Dettenheim ließ für die Haushaltsberatungen 2017 die Errichtung einer zentralen Trinkwasserenthärtungsanlage prüfen, verwarf Pläne aber schnell wieder, als die Kosten bekannt wurden.

Auch in Pfinztal gibt es immer wieder Anfragen von Bürgern zu diesem Thema. “Da wir vier verschiedene Bezugsquellen haben, müssten vier Anlagen errichtet werden”, rechnet der Sachgebietsleiter für die Wasserversorgung, Johannes Röckel, vor. Zudem wäre ein Kanal zur Kläranlage nötig. Röckel schätzt, dass im Falle einer Investition 40 Cent Mehrkosten für den Kubikmeter Wasser, wie es etwa in Ubstadt-Weiher nach dem Bau einer Anlage der Fall war, ist ausreichen. “Das Ganze kostet echt viel Geld”, sagt er.

Als in Eggenstein-Leopoldshafen 2016 das neue Wasserwerk geplant wurde, gab es Überlegungen, das Trinkwasser gleich mit zu enthärten. Der Gemeinderat lehnte dies jedoch einstimmig ab. Letztlich ausschlaggebend waren die Auswirkungen auf den Wasserpreis, der deutlich erhöht worden wäre. Aus dem Büro von Bürgermeister Bernd Stober heißt es dazu: “Wasser als Grundnahrungsmittel soll unseren Bürgern gesichert sowie in sehr guter Qualität und möglichst günstig zur Verfügung stehen.”

 

Quelle: BNN, Ausgabe 265 vom 14.11.2020
mit freundlicher Genehmigung des Autors, Marcel Winter – vielen Dank!

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